Behandelter Abschnitt Hes 1,3-4
Hes 2,3.4: 3 Und er sprach zu mir: Menschensohn, ich sende dich zu den Kindern Israel, zu den empörerischen Nationen, die sich gegen mich empört haben; sie und ihre Väter sind von mir abgefallen bis auf ebendiesen Tag. 4 Und die Kinder haben schamlose Angesichter und harte Herzen; zu ihnen sende ich dich, und du sollst zu ihnen sprechen: „So spricht der Herr, HERR!“
Es war kein leichter Dienst, zu dem er berufen wurde. Der HERR machte ihm klar, dass er zu einem Volk von Rebellen gehen sollte, einem Volk, das über Jahrhunderte hinweg versagt hatte. Die Väter hatten sich von Gott abgewandt und sich den Götzen zugewandt, und die Kinder waren in ihre Fußstapfen getreten. Es war auch nicht zu erwarten, dass die Kinder aus der Gefangenschaft oder die im Land verbliebenen Kinder mehr bereit sein würden, zuzuhören und zu gehorchen, als ihre Vorfahren es gewesen waren. Sie waren alle Kinder „mit frechem Gesicht und hartem Herzen“ (Hes 2,3; SCHL 2000). Hesekiel sollte dennoch zu ihnen gehen und ihnen eine weitere Gelegenheit zur Umkehr geben, damit noch schlimmeres Unheil abgewendet werden konnte.
Er sollte nicht aus sich selbst heraus sprechen, sondern mit Autorität verkünden: „So spricht der Herr, HERR!“ Das ist es, was dem Boten des HERRN Würde und Kraft verleiht. Wer vor seine Mitmenschen tritt, um die Gedanken seines eigenen Verstandes oder die Vorstellungen seines eigenen Herzens zu verkünden, ist kein Gesandter des Herrn. Es ist nicht Sache seiner Botschafter, die Menschen mit wortgewandten Reden zu erfreuen, in denen sie die Leistungen anderer preisen oder ihre eigene Arbeit verherrlichen. Die einzige Aufgabe der Diener Gottes ist es, das Wort des Herrn in Treue und doch mit Gnade und Demut zu verkünden. „Des Königs Wort ist eine Macht“ (Pred 8,4) und Gott ist ein großer König, dessen Wort niemals leer zu Ihm zurückkehrt, sondern das vollbringt, wozu Er es gesandt hat (Jes 55,11).
Hesekiel musste sich keine Predigten „ausdenken“ oder akademische Reden verfassen. Er musste einfach nur das Wort vom HERRN, seinem Gott, empfangen und es dann in der Kraft des Geistes an diejenigen weitergeben, zu deren Dienst er berufen war.
Das Gleiche gilt auch heute für jeden gesalbten Diener Gottes. Er ist vom Herrn berufen worden, das Wort zu predigen und nicht menschliche Philosophie, Scheinargumente oder eitle Einbildungen, die ja nur böse sind, wie das permanent der Fall ist (1Mo 6,5). Dies kann für den Prediger oft eine Selbstverleugnung bedeuten. Wie Paulus muss er vielleicht darauf achten, sich nicht auf die Weisheit der Worte zu verlassen, damit das Kreuz Christi, die eigentliche Botschaft, nicht wirkungslos bleibt [vgl. 1Kor 1,17-23]. Dr. Harry Emerson Fosdick (1878–1969), der bekannte liberale Redner, hat die Auslegungspredigt2 als die armseligste Art des Predigtdienstes bezeichnet, „weil sie so wenig Raum für die Phantasie lässt“. Aber gerade deshalb sollte sich ein Mann Gottes darin rühmen, die kostbaren Wahrheiten der Heiligen Schrift zu entfalten, anstatt aus sich heraus ein Netz der Redekunst zu weben, wie eine Spinne ihre filigrane Schlinge webt, um ihre Beute zu fangen.