Behandelter Abschnitt Heb 8,4-5
Derjenige, der an persönlicher Würde und Ehre des Amtes sowohl Aaron als auch Melchisedek übertrifft, blieb in dem, was Er zu tun hatte, nicht zurück. Er opferte, was weder der eine noch der andere konnte, was nur Er konnte – Er opferte sich selbst (Heb 7,27); und das ein für allemal, denn darin allein lag die Vollkommenheit der Gabe und des Opfers, da Gott seine Annahme aller dadurch bezeugte, dass Er Ihn zu seiner Rechten in den Himmeln gesetzt hatte. Es geht hier nicht um die Versöhnung, sondern um seinen Dienst in der wahren Stiftshütte. Die Versöhnung war etwas Besonderes. Der Hohepriester vertrat dabei sowohl das Volk als auch sein eigenes Haus. Kein anderer als er konnte es tun, als das Vorbild des am Kreuz von der Erde erhobenen Christus; dennoch war es nicht sein üblicher priesterlicher Dienst, der den Dienst des Herrn jetzt in der Höhe darstellte.
Wenn er nun auf der Erde wäre, so wäre er nicht einmal Priester, weil solche da sind, die nach dem Gesetz die Gaben darbringen (die dem Abbild und Schatten der himmlischen Dinge dienen, wie Mose eine göttliche Weisung empfing, als er im Begriff war, die Hütte aufzurichten; denn „sieh zu“, spricht er, „dass du alles nach dem Muster machst, das dir auf dem Berg gezeigt worden ist“) (8,4.5).
Christus ist für den Christen bezeichnenderweise der himmlische Priester. Auf der Erde konnte er keinen Priesterdienst ausüben: Gott hatte Aaron und seine Söhne nacheinander zum Dienst berufen, und als der Hebräerbrief geschrieben wurde, gab es noch solche, die die Gaben nach dem Gesetz darbrachten. Das Priestertum Christi war ganz anders, aus souveräner Gnade und in Herrlichkeit ausgeübt, wie es seiner Person und seinem Werk entsprach, nachdem der erste Mensch sein Versagen, seine Sünde und sein Verderben durch die Verwerfung des verheißenen Messias, des Sohnes Gottes, der in göttlicher Liebe gekommen war, um zu segnen, vollends offenbart hatte. Aber das auserwählte Volk, die Priester und die Herrscher wollten nichts von Ihm wissen; und in seinem Tod durch gesetzlose Hände wurde Sühnung bewirkt; und der auferstandene Christus ging in jenes Heiligtum in der Höhe ein, wo Er allein für die Seinen in ihrer Schwachheit hier auf der Erde sorgt, entsprechend der Wirksamkeit seines Opfers, das ihre Sünden gereinigt hat. Noch übte das irdische aaronitische Priestertum seinen Dienst aus, der nur ein Abbild und ein Schatten der himmlischen Dinge war, „wie Mose eine göttliche Weisung empfing, als er im Begriff war, die Hütte aufzurichten; denn ,sieh zu‘, spricht er, ,dass du alles nach dem Muster machst, das dir auf dem Berg gezeigt worden ist‘“) (V. 5).
In Christus ist alles wirklich und beständig, da es göttlich und menschlich vollkommen ist, die Person, das Werk und das Priestertum, wie auch alles andere. Niemand konnte sich vorher etwas davon vorstellen; als aber die Tatsachen eintraten, war der Gläubige fortan überzeugt, dass nichts davon anders sein konnte, wenn Gott verherrlicht und der Mensch jetzt und in Ewigkeit gesegnet werden sollte. Ein menschliches Priestertum auf der Erde für das christliche Volk ist ein Abfall von der Wahrheit des Sohnes, der in Ewigkeit vollendet ist und in der Höhe nach der Kraft des unauflöslichen Lebens dient; es bedeutet, die untergegangene aaronitische Ordnung wieder einzuführen, die wegen ihrer Schwachheit und Nutzlosigkeit aufgehoben wurde. Es bedeutet, das Evangelium des Heils zu leugnen, das allen, die glauben, verkündet, dass das Blut Jesu ihre Sünden sofort tilgt und sie Gott in einer beständige Nähe bringt, die weit über das hinausgeht, was die Söhne Aarons und Aaron selbst jemals genossen haben (Heb 10,19). „Denn wenn wir, da wir noch Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden“ (Röm 10,5). „Daher vermag er diejenigen auch völlig zu erretten, die durch ihn Gott nahen, indem er allezeit lebt, um sich für sie zu verwenden“ (Heb 7,25).