Behandelter Abschnitt Ps 82,1-8
Der gerechte Richter, Richter unter Richtern Psalm 82
Israel war ein Rechtsstaat wie kein zweiter. Mose muss sagen: Wo ist ein Volk wie du (5. Mose 33,29). Sein Gesetz war göttlicher Herkunft und wurde ihm durch Mose gegeben (2. Mose 20). Sie erhielten es von dem Gott, dem alles Gericht übergeben ist (Joh 5,24). Israels Vorsteher sollten nicht nur Richter sein, sondern allen Völkern ein Vorbild geben. Es war weit mehr, ein Priestervolk (2. Mose 19,6). Und das sind auch wir heute (1Pet 2,9), Gottes Heiligkeit auszustrahlen, ein Segen unserer Umgebung zu sein (1. Mose 12,3) wie es Abraham war (1. Mose 18,19). In unserem Psalm muss der Schreiber im Auftrage Gottes die Richter zurechtweisen. Vergessen wir nie, wofür wir bestimmt sind (2Kor 6,2).
Der schöne Anfang des Psalmes. Gott steht in der Gemeinde, inmitten der Götter. Wer das in den Gottesdiensten erfasst, singt gewiss: „Gott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor Ihn treten“. Er soll überall der Mittelpunkt sein: a) Im eigenen Herzen (Eph 3,17; Kol 1,27). b) In der Familie. Der Vater, der das Haupt genannt wird, soll in allen Fragen das Recht ausüben. c) In der Gemeinde (Mt 18,20). Der Herr wandelt inmitten der sieben goldenen Leuchter (Off 2,1).
In dieser Welt sind alle Regierenden, vom Kaiser, Präsidenten bis zum einfachsten Gemeindevorstand Gottes Beamte, und alle sollen erkennen, dass Gott sie zur Rechenschaft ziehen wird (Röm 13).
Beachte ihre hohen Titel. Sie werden Götter genannt. Sie sind von Gott bestimmt zum Wohl der Untertanen, um zu regieren und zu richten an Seiner Statt (Jes 1,17). Paulus nennt sie Gottes Beamte (Röm 13,6). Gerecht zu handeln war Salomo ein großes Anliegen; er bat ernstlich um Weisheit und ist erhört worden (1Kön 3,9.11). Vers 16 -18 durfte er einen erstaunlichen Rechtsspruch fällen. Beachtenswert ist der Zuspruch Josaphats an die Richter (2Chr 19,6.7). Unsere Aufgabe ist nicht nur, der Obrigkeit untertan zu sein, redlich die Steuern zu zahlen, sondern für sie zu beten (Röm 13). Man kann kaum ausdenken, was die Welt ohne Beter wäre; sie gleicht der Speise ohne Salz. Es wäre wie es von Israel gesagt wird: „Seine Hand gegen jedermann und jedermanns Hand wider ihn“ (1. Mose 16,12). Alles, was Jesaja sagt, gilt diesen Machthabern (Jes 1,17; Amos 5,15).
Die Pflicht der Richter. Lies 2. Mose 22,22-24; 5. Mose 10,17.18; 27,19; Psalm 146,9. Richter durften das Recht nicht beugen, etwa im Ansehen der Person wie die Söhne Samuels (1Sam 8,3) oder durch blendende Geschenke. Darin waren Mose und Samuel Vorbilder, sie ließen sich in keiner Weise bestechen (4. Mose 16,15; 1Sam 12,3). Alle Gläubigen sollten in 2. Timotheus 3 einstimmen können. Manche Vorsteher lassen sich durch Geschenke blenden, man schont den Geber oder urteilt nach dem Ansehen der Person (Jak 2,2-8). Das Recht ist von den Oberen manchmal grausam gebeugt worden. Man denke an Nabot (1Kön 21), besonders aber an unseren Herrn, der ohne Grund zum Tode am Kreuz verurteilt worden ist.
Die besondere Pflicht der Richter. Sie war, Waisen, Witwen zum Recht zu verhelfen und Bedrängte zu befreien (Lk 18,3; Jes 1,17). Eine ernste Frage. Wie lange wollt ihr unrecht richten, den Gottlosen bevorzugen? Offenbar hatten das jene schon lange betrieben, und hier mussten die Richter zurechtgewiesen werden. Sela. ‑ Ihr Richter und Vorsteher, stehet still! Denket über eure Gerichtsbarkeit nach, ob sie dem Gesetz entspricht. Richtet euch selbst (1Kor 11,28), denn auch ihr werdet vor dem Richterstuhl Gottes gerichtet werden (Röm 14,10).
Nach dem Sela, stille zu stehen, fährt der Psalmist mit ernsten Ermahnungen fort. Der moralische Zustand in Israel war oft nicht besser als unter den Gottlosen. Den Fall des Nabot haben wir genannt (Micha 2,1-3,; Pred 3,16.17; 2Kön 10,7-11). Weit schlimmer war es in Jesu Tagen da selbst der Hohepriester falsche Zeugen gegen den Herrn aufstellen ließ.
Ein göttlicher Befehl. Schaffet Recht den Armen, und den Bedrückten etwa wie jener Witwe in 2. Könige 4. Recht üben, den Armen helfen hat der Herr selbst verkündigt und geübt (Lk 4,18). Asaph muss die Richter wegen ihrer Unwissenheit tadeln. Ein Richter muss den hintersten Paragraphen des Gesetzes kennen, um recht urteilen zu können.
Der Psalmist fordert sie indirekt auf, das Gesetz Mose gründlich zu studieren und danach zu urteilen.
Ihre Unwissenheit führt zu Ungerechtigkeiten und Ungehorsam. Sie haben einen ehrwürdigen Namen, handeln aber nicht demgemäss. Sie schätzen nicht ihr Vorrecht, an Gottes Statt Gerechtigkeit zu üben. Ihr Ende. Obwohl sie den schönen Titel Götter tragen, müssen sie mit den Gottlosen sterben wie Herodes (Apg 12,23).
Der Schrei der Bedrängten zum gerechten Richter (Vers 8): „Stehe auf, o Gott richte die Erde! denn Du wirst zum Erbteil haben alle Nationen.“ Im kommenden Zeitalter wird Er das Gericht mit den Aposteln ausüben (Mt 19,28). Ähnlich wird der treue Überrest Israels unter der Gewaltherrschaft des Antichristen schreien; ihr Schrei dringt in die Ohren des Richters, den Gott selbst bestellt hat (Apg 17,31). Dieser einzig gerechte Richter kennt jeden einzelnen Fall und wird demgemäss urteilen (Joh 2,25). Anderen, die nach Heb 11,36-38 kein Recht erlangten, gibt Er Kraft, im Glauben standhaft auszuharren, bis sie als Vergeltung droben die Krone des Lebens empfangen werden (2Tim 4,8).