Behandelter Abschnitt Ps 81,8-16
Höre mein Volk Psalm 81,8-16
Das ist eine oftmalige Ermahnung Gottes an Sein Volk (5. Mose 32,1). Immer wieder riefen die Propheten zur Umkehr (Heb 1,1), aber es hörte nicht. Das gleiche Volk, das einst Seine Braut war (Jer 2,2.32), verließ den Bräutigam, buhlte mit anderen Göttern (Jer 3,1.20) und wird eine Hure genannt. Diese Sünde beging der König Salomo, was den Herrn schmerzte und ihn wie sein Volk in den Abgrund stürzte (1Kön 11,9.11). Und wie steht es heute in der Gemeinde des Herrn? Was ist eure Sünde? Jesus beklagt sie in Offenbarung 2,4: Ich habe wider dich, dass du die erste Liebe verlassen hast; bedenke wovon du gefallen bist und tue Buße (Off 3,15.16).
Worauf sollte Israel hören? Auf die Stimme Gottes. Es sollte keinen fremden Göttern dienen, aber gleich am Anfang tanzte das Volk um das goldene Kalb und sagte: „Das sind deine Götter, die dich aus Ägypten geführt haben“ (2. Mose 32,4). Der Höhepunkt ihres Götzendienstes geschah unter dem König Manasse und Gottes Beschluss war, Israel dahinzugeben. Er hat Sein Volk dahingegeben, aber nicht aufgegeben: „Einen kleinen Augenblick habe ich dich verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will Ich dich sammeln“ (Jes 54,7). Er gab es nicht auf, sondern sehnte sich nach seiner Umkehr. Man denke, wie ihm der Herr betrübten Herzens nachschaute, als Er es in die Gefangenschaft ziehen sah, aber wie Er es auch wiederum zurückführte (2Chr 36,22; Esra 1). Hat der Herr nicht Ähnliches an uns allen getan? Wir alle gingen in der Irre wie Schafe (Jes 53,6) aber Er hat uns zurückgebracht zu dem Hirten und Bischof unserer Seelen (l. Petr. 2, 25). Gott will, dass alle Menschen gerettet werden (1Tim 2,4). Bei all den Wohltaten, Zeichen und Wundern, die Gott an Israel getan hat, verließ es Ihn wiederum; aber Er erbarmte sich Seines Volkes. Der Herr sagt: „Mit ewiger Gnade will Ich Mich dein erbarmen“ (Jes 54,8; 5. Mose 30,3.4; Röm 11,29; Joh 13,1). Gott hat Seine Liebe dadurch erwiesen, indem Er es stets errettete, als es zu Ihm schrie. Denken wir an die vielen Fälle im Buch der Richter, da Israel immer wieder in Not geriet und Er es rettete.
Die treue Versorgung Gottes. Ununterbrochen gedachte der Herr Seines Volkes und das trotz vieler Geringschätzungen ja sogar mit vielem Murren und Unzufriedenheit. Israel verschmähte nicht nur Seine Gaben, sondern sagte: „Unsere Seele ekelt vor dieser elenden Speise“ (4. Mose 21,5). Gott hatte das Volk in das Land, da Milch und Honig fließt, geführt, und aus dem Felsen getränkt. Die Kleider veralteten nicht und die Schuhe hielten die ganze Wüstenzeit stand (5. Mose 29,4).
Wäre das Volk Ihm gehorsam geblieben, so hätte Er es nicht nur von allen Feinden befreit, sondern zum Haupt aller Völker gesetzt. Oft musste Gott Sein Volk in die Hände von Bedrückern geben, man denke an die Zeit der Richter und mancher Könige, bis schließlich zur Gefangenschaft, wo sie weinten und klagten und öfters fragten: Herr wie lange? Muss nicht der Herr manchen Seiner Kinder böse Nachbarn geben, um uns selbst zu erkennen. Denken wir an Jesu Tage, da Er gekommen war, Sein Volk zu retten, aber Israel sagte: wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche. Im Blick über die kommende Wegführung weinte der Herr über sie (Lk 19,41; Mt 23,37). Was verkündigt der Prophet in Jes 48,18? „0, dass du auf meine Gebote merktest, so würde dein Friede sein wie ein Wasserstrom und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen“, aber wegen Israels Ungehorsam musste der Herr den Wasserstrom zur Wüste machen. Wer aber auf Jesu Stimme hört, wie das Petrus tat, macht Erfahrungen (Lk 5,6; Joh 21,6b). Zwei Mal warf er auf Jesu Wort hin das Netz aus und fing eine große Menge Fische. Nebenbei, wer wie Petrus dem Herrn sein leeres Schiff zur Verfügung stellt, erhält es überfüllt zurück, probiere es, und Er öffnet die Fenster des Himmels und schüttet Segen die Fülle herab (Mal 3,10).
Oh, dass niemand Seine Stimme überhörte, dass Er uns nicht dahingeben muss wie Israel, oder durch schwere Zucht zurecht bringen muss, wie z. B. einige Könige. Man denke an Zedekia, der 38 Jahre im Gefängnis lag und endlich herauskam, oder an Manasse, dem der Herr eherne Fesseln anlegen ließ, bis er seine Sünde erkannte, Buße tat und Er ihn zurück in sein Königreich brachte. Vielen muss der Herr Zaum und Zügel anlegen (Ps 32,9), andere führt Er durch schwere Krankheiten, wieder andere lässt Er in ihrer Sünde fortfahren, die ihnen Schmach und Schande einbringt, andere lässt Er durch herbe Verluste gehen, um ihnen Buße zu schenken, damit sie zurückkehren ins Vaterhaus (Lk 15,18).
Furchtbar ist die Strafe der Unbeugsamen. Ein Pharao, der protzend sagte: „Wer ist der Herr, des Stimme ich hören sollte“, und in erschütternder Weise seinen Spott bezahlen musste. Gott gab ihn dahin. Ebenso einen Herodes, der einmal einen guten Anfang machte (Mk 6,20), aber ein schmähliches Ende nahm (Apg 12, Vers 23).
Kehre wieder, irre Seele, deines Gottes treues Herz beut Vergebung deinem Fehle, Balsam für den Sündenschmerz.
Sieh auf den, der voll Erbarmen dir mit ausgestreckten Armen winket von dem Kreuzesstamme. Kehre wieder, fürchte nicht, dass der Gnäd’ge dich verdamme, dem sein Herz vor Liebe bricht.