Behandelter Abschnitt 1. Mose 17,1-2
1. Mose 17,1-2 - Die Beschneidung
Wer die Schriftberichte über Abrams Leben oberflächlich liest, möchte annehmen, daß eine Begegnung Gottes mit ihm auf die andere und eine Verheißung auf die andere gefolgt wäre. Es gab aber längere Perioden, da Gott schwieg. Eine genauere Untersuchung läßt uns wissen, daß seit der letzten Offenbarung in 1. Mose 15 volle dreizehn Jahre vergangen sind. Was war der Grund dieses göttlichen Schweigens? Abrams Versagen, seine Untreue, sein Kleinglaube. Er hatte der Versuchung durch Sarai nachgegeben, Hagar zum Kebsweib zu nehmen, und das war sogar geschehen, nachdem Gott ganz offiziell einen Bund mit Abram geschlossen und dabei die Verheißung erneuert hatte, daß Sarah einen Sohn gebären werde. Die Verbindung mit Hagar war ein eigener, ein fleischlicher Weg. Jede Verbindung zwischen Geist und Fleisch, zwischen Wiedergeborenen und Weltkindern oder Halbfrommen, ist der Schrift zuwider und bringt auch fleischliche Früchte, wie unsere Geschichte das deutlich zeigt. Wir dürfen wohl annehmen, daß die unerfreulichen Folgen, vor allem der Familienzwist, Abram in ernste Buße getrieben hat. Damit wurde er aber reif, Gottes erneute Zusage entgegenzunehmen; die gestörte Verbindung war wiederhergestellt. Merken wir uns, daß nach jeder echten Buße zu Gott neue Segnungen folgen.
Ein göttlicher Besuch. Zum ersten Male offenbarte Gott sich ihm als der Allmächtige. Achten wir auf den Zeitpunkt dieses Besuches. Er erfolgte, als Abram 99 Jahre alt war. Jede Aussicht, auf natürlichem Wege den verheißenen Sohn zu bekommen, war geschwunden, denn auch Sarai stand im neunzigsten Lebensjahre. Wo sollte da noch Hilfe herkommen? Immer wieder ist es so, daß, wenn Menschen am Ende ihres Könnens angelangt sind, Gottes Stunde zum Eingreifen geschlagen hat. So auch hier. Daher die Anrede: „Ich bin der Allmächtige.“ Bei Mir gibt es kein „Unmöglich“. Warum wartet Gott mit Seinem Eingreifen oft so lange? Um Seine Wundermacht um so deutlicher zu beweisen (5. Mose 32,36; Joh 11,6.15). Im Blick auf die Vergangenheit mußten die Worte Gottes „Ich bin der Allmächtige“ wie ein leiser Vorwurf wirken. Versuche nicht auf eigenen Wegen zu erreichen, was Ich dir verheißen habe und was Ich allein auch nur geben kann. Für uns ist es besonders wichtig, daß wir uns nicht ungöttlicher Wege bedienen, um das uns anvertraute Werk gelingen zu lassen. Das jesuitische Sprichwort: „Der Zweck heiligt die Mittel“ ist die Sprache Satans. Gotteskinder sollten sich nie ungeistlicher Mittel bedienen, wie Abram sich der Hagar bediente, um seine Sache hinauszuführen. Den allmächtigen und allweisen Gott zum Verbündeten zu haben, das darf uns gewiß genügen.
Eine notwendige Forderung. „Wandle vor Mir und sei fromm.“ Das hatte Abram unterlassen, er war vielmehr vor seinem Weibe gewandelt, hatte ihren anstatt Gottes Willen erfüllt. Gern bedient sich Satan der Verwandtschaft, um Gottes Gedanken zu vereiteln, weil wir ihr am wenigsten zu widerstehen vermögen (Mt 8,21). Wir tun gut, unseren Wandel immer wieder zu prüfen, ob er vor Gott, unter Seiner Kontrolle steht (Ps 139,23), oder ob er nach väterlicher Weise geschieht (1Pet 1,18). Damit prüfen wir auch, ob Gott uns Seine Verheißungen erfüllen kann. Abrams Sehnsucht nach einer neuen Begegnung mit Gott muß sehr groß gewesen sein, er wird das lange Schweigen Gottes tief und schmerzlich empfunden haben. Er wird auch den Grund dafür gewußt, sich aufs neue gebeugt haben, und auf wahre Buße folgen stets neue Segnungen. Die Mahnung des Herrn: „Wandle vor Mir und sei fromm“ war nicht vergeblich, denn in 1. Mose 24,40 lesen wir, daß Abram selbst von sich sagte: „Der Herr, vor dem ich wandle.“ Das klingt ganz anders, als wenn sein Enkel Jakob später redet von dem „Gott, vor dem meine Väter gewandelt haben“ (1. Mose 48,15).