Behandelter Abschnitt Ri 19,3-10
Verse 3–10 | Die Wiedervereinigung und der Aufbruch
3 Und ihr Mann machte sich auf und ging ihr nach, um zu ihrem Herzen zu reden, um sie zurückzubringen; und sein Knabe war bei ihm und ein Paar Esel. Und sie führte ihn in das Haus ihres Vaters; und als der Vater der jungen Frau ihn sah, kam er ihm freudig entgegen. 4 Und sein Schwiegervater, der Vater der jungen Frau, hielt ihn zurück, und er blieb drei Tage bei ihm; und sie aßen und tranken und übernachteten dort. 5 Und es geschah am vierten Tag, da machten sie sich frühmorgens auf, und er erhob sich, um fortzugehen. Da sprach der Vater der jungen Frau zu seinem Schwiegersohn: Stärke dein Herz mit einem Bissen Brot, und danach mögt ihr ziehen. 6 Und sie setzten sich und aßen und tranken beide miteinander. Und der Vater der jungen Frau sprach zu dem Mann: Lass es dir doch gefallen und bleib über Nacht und lass dein Herz fröhlich sein! 7 Und als der Mann sich erhob, um fortzugehen, da drang sein Schwiegervater in ihn, und er übernachtete wieder dort. 8 Und am fünften Tag machte er sich frühmorgens auf, um fortzugehen; da sprach der Vater der jungen Frau: Stärke doch dein Herz und bleibt, bis der Tag sich neigt! Und so aßen sie beide [miteinander]. 9 Und der Mann erhob sich, um fortzugehen, er und seine Nebenfrau und sein Knabe. Aber sein Schwiegervater, der Vater der jungen Frau, sprach zu ihm: Sieh doch, der Tag nimmt ab, es will Abend werden; übernachtet doch! Siehe, der Tag sinkt, übernachte hier und lass dein Herz fröhlich sein; und ihr macht euch morgen früh auf euren Weg, und du ziehst zu deinem Zelt. 10 Aber der Mann wollte nicht übernachten, und er erhob sich und zog fort; und er kam bis vor Jebus, das ist Jerusalem, und mit ihm das Paar gesattelter Esel, und seine Nebenfrau mit ihm.
Es dauert vier Monate, bevor der Mann beschließt, sich auf die Suche nach seiner Frau zu begeben, denn er will sie doch zurück haben. Es ist möglich, dass er sie nur um der Schmach willen zurück haben will, die er erfährt, wenn er immer erzählen muss, dass seine Frau weggelaufen ist, wenn er gefragt wird, wo sie ist. Er wird versuchen, seine Frau zu überreden, mit ihm mitzugehen, indem er auf ihr Gemüt einwirken wird oder wie es hier steht „um zu ihrem Herzen zu reden“.
Nichts macht deutlich, dass er versuchen will, seine Frau von ihrer Untreue zu überführen und sie zu einem Bekenntnis zu bringen. Auch zeigt sich in der Geschichte nirgends, dass seine Frau darin einwilligt, mit ihm mitzugehen. Nirgends lesen wir, dass sie etwas sagt. Ihre Tat des Ehebruchs und ihr gräuliches Ende zeugen davon, wie ihr Leben gewesen ist. In der Unterhaltung des Mannes mit ihrem Vater hat sie keinen Platz. Das können wir aus den Versen 6 und 8 schließen, wo von „beiden miteinander“ die Rede ist, womit in beiden Fällen der Mann und der Vater gemeint sind.
In dieser Unterhaltung lässt der Mann sich als ein Lebensgenießer erkennen, der auf fleischliche Bequemlichkeit aus ist. Er ist leicht zu überreden. Er ist ein Mann ohne Rückgrat, dessen Leben von Essen und Trinken (Vers
4) und Fröhlichkeit (Vers 6) erfüllt ist. Als er beim Anbruch des vierten Tages aufbrechen will, weiß sein Schwiegervater ihn so mit Essen und Trinken an der Leine zu halten, dass er noch den ganzen Tag bleibt. Er überredet ihn sogar, noch weiter zu übernachten und fröhlich zu sein. Dieses „Fröhlichsein“ bezieht sich wieder auf Essen und Trinken. Sein fröhliches Leben geht Tag und Nacht weiter. Das Leben wird so zu einem großen Fest.
Der Schwiegervater weiß den Leviten noch einen fünften Tag mit Essen und Trinken festzuhalten. Erst am Abend des fünften Tages macht er sich auf den Weg. Diesmal lässt er sich nicht mehr überreden. Aber der Zeitpunkt seines Aufbruchs verbürgt gewiss keine erfolgreiche Reise. Die Verspätung, die er sich erlaubt hat, soll für ihn verhängnisvoll werden.
Als allgemeine Lektion können wir hieraus lernen, dass es nicht nur gut ist zu wissen, dass wir irgendwo hin müssen, sondern dass wir auch wissen, wann wir dort wieder weggehen müssen. Bei diesem Leviten sehen wir ausschließlich ein Handeln nach der Situation des Augenblicks und nach der Eingebung seines eigenen Herzens. Es ist ja die Zeit, in der jeder tut, „was recht war in seinen Augen“. Diese Menschen werden dadurch charakterisiert, dass „keine Furcht Gottes vor ihren Augen“ ist (Röm 3,18). Der Levit findet, dass jetzt die Zeit gekommen sei, um zu gehen, ohne sich zu fragen, ob der Zeitpunkt wohl richtig gewählt ist.