Behandelter Abschnitt Neh 2,7-9
Jenseits des Stromes
Nehemia redete dann weiter zu dem König:
Neh 2,7-9: Und ich sprach zum König: Wenn es der König für gut hält, so gebe man mir Briefe an die Landhalter jenseits des Stromes, dass sie mich durchziehen lassen, bis ich nach Juda komme; und einen Brief an Asaph, den Hüter des königlichen Forstes, dass er mir Holz gebe, um die Tore der Burg, die zum Haus gehört, mit Balken zu versehen und für die Mauer der Stadt, und für das Haus, in das ich ziehen werde. Und der König gab es mir, weil die gute Hand meines Gottes über mir war. Und ich kam zu den Landhaltern jenseits des Stromes und gab ihnen die Briefe des Königs. Der König hatte aber Heeroberste und Reiter mit mir gesandt.
Nehemia hatte erkannt, dass Gott ihm des Königs Herz zugeneigt hatte, und so bat er um alles, wonach sein Herz verlangte, für sich selbst aber begehrte er nichts , außer ein Haus, um darin zu wohnen. Der König gab ihm alles, und Nehemia schrieb es der guten Hand seines Gottes zu. Welch ein Vorbild ist er darin dem Volk Gottes aller Zeiten! Wir sind berufen, „durch Glauben, nicht durch Schauen“ zu wandeln (2Kor 5,7). Hätte Nehemia nach dem Fleisch geurteilt, so wäre ihm alles hoffnungslos erschienen; doch so wurde jedes Hindernis durch Vertrauen auf Gott und Gebet überwunden. Der König sandte sogar eine Schar Reiter zu seinem Schutz mit.
Nehemias Reise enthält eine wichtige Belehrung für die Christen heutzutage. In Vers 7 und 9 werden die Landpfleger jenseits des Stromes erwähnt. Dieser Strom war der Euphrat, und der Ausdruck „jenseits des Stromes“ bezog sich auf die Landschaften westlich des Euphrat (vgl. Esra 4,11). Das Werk, das Nehemia vorhatte zu tun, sollte in einem Land jenseits davon, im Lande Juda geschehen (Neh 2,7), nämlich in dem Land, das Gott seinem Volk verheißen hatte. Er erhob sich also, was das Volk Gottes betraf, zur Höhe der Gedanken Gottes. Als der Herr Josua befahl, Israel über den Jordan in das Land zu führen, das Er ihnen gegeben hatte, erwähnt Er das ganze Gebiet von der Wüste und dem Libanon bis zum großen Strom, dem Strom Phrat, als dazugehörig (Jos 1,1-4). Der Jordan ist ein Bild unseres Todes mit Christus, um uns in die himmlischen Segnungen einzuführen; Kanaan stellt den Himmel dar. Die Christen sind aus dieser gegenwärtigen bösen Welt nicht nur herausgerufen worden (Gal 1,4), um den Himmel am Ende ihres Pilgerpfades zu erreichen, sondern sie sollten durch den von einem verherrlichten Christus gegebenen Geist schon jetzt gleichsam himmlischen Boden betreten. Der Glaube nimmt das Zeugnis Gottes an, wonach Er uns nach seinem Ratschluss mit jeder geistlichen Segnung auf himmlischem Boden in Christus gesegnet hat (Eph 1,3). In der Kraft des Geistes ist es unser Vorrecht, dort einzugehen und diese Segnungen zu genießen, noch ehe wir für immer im Land wohnen. Viele geliebte Kinder Gottes kennen nichts davon und entsprechen so der hohen Berufung Gottes nicht.
Gottes erste Botschaft an Israel durch Mose war, dass Er sie aus Ägypten herausführen und in das Land Kanaan hineinbringen wollte. Aber ach, viele sind in der Wüste umgekommen; Gott jedoch erfüllte seine Verheißung und brachte sein auserwähltes Volk schließlich ins Land. Der Wunsch seines Herzens für einen jeden, der heute seinem Volk angehört, ist, dass er gleichfalls eingehen sollte. Er will nicht haben, dass wir uns mit der Vergebung unserer Sünden zufriedengeben sollten und mit der Kenntnis der Rechtfertigung aus Glauben und des Friedens mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus und mit der Befreiung von der Gewalt Satans und der Welt, was uns im Vorbild die Vernichtung der Heeresmacht des Pharao im Roten Meere darstellt. Er möchte, dass wir im Glauben erfassen, dass wir mit Christus in seinem Tod und seiner Auferstehung einsgemacht worden sind (Kol 2,12) und erfahrungsmäßig in unsere Befreiung und den Besitz des Landes in der Kraft des Heiligen Geistes eingehen, und so dem Grundsatz nach heute den Jordan überschreiten. Unser Teil liegt jenseits des Stromes, getrennt von Babel, dem religiösen Bösen, über dem Jordan, in dem verheißenen himmlischen Land.
Es gibt solche, die wie die zweieinhalb Stämme – Ruben, Gad und der halbe Stamm Manasse – ihr Erbteil nicht im Land einnehmen, sondern sich davor, im Land Gilead, niederlassen. Da sie viele Herden hatten, wurden sie von den grünen Weideplätzen dieses fruchtbaren Landstrichs angezogen, und obwohl sie mit über den Jordan gingen und an den Kämpfen des Heeres des Herrn teilnahmen, bestanden sie doch darauf, mit ihren Familien diesseits des Jordan zu wohnen. Sie waren infolgedessen den Angriffen ihrer Feinde weit mehr ausgesetzt und waren die ersten, die von den Assyrern hinweggeführt wurden, etwa zwanzig Jahre früher als die Übrigen. Alles das ist sehr lehrreich und sollte uns als Warnung dienen. Wenn wir unseren Herzen gestatten, nach irdischem Vorwärtskommen zu streben, angezogen durch die Annehmlichkeiten dieser Welt, und damit geistlich unseren Tod und unsere Auferstehung mit Christus nicht erfassen, uns also gleichsam weigern, über den Jordan zu gehen, so mögen wir wohl eine Zeitlang gute Tage haben; aber wir können uns darauf verlassen, dass der Feind, der diesen Vorteil über uns errungen hat, ihn auch ausnutzen wird. Viele haben zu ihrem eigenen Schaden aus Mangel an Glauben diesen irdischen Einflüssen Raum gegeben und sind so mehr oder weniger eine Beute des Feindes geworden. Einst standen sie voll Freude der ersten Liebe in der Tatkraft des Glaubens, aber dann unterwarfen sie sich dem Einfluss ihrer Umgebung, anstatt in der Kraft des Geistes zu überwinden, und so gerieten sie in einen kalten, sorglosen Zustand, ganz vom wahren Zeugnis für Gott weg. Bedenke das, geliebter Leser, damit du nicht hinter der Berufung Gottes zurückbleibst und dich nicht lediglich damit begnügst, Ägypten verlassen zu haben; gehe vielmehr wirklich über den Jordan in das Land, wo Milch und Honig fließt (Heb 4,1; 2Mo 3,8).