Behandelter Abschnitt Apg 27,2-44
Die Lebensfahrt
Das menschliche Leben wird oft mit einer Reise verglichen, so z. B.
die Wanderung des Volkes Israel von Ägypten nach Kanaan (
Wo immer wir Paulus begegnen, finden wir ihn führend. Selbst auf dieser Reise war er der Steuermann, obgleich er als Gefangener zu den Geringsten zählte, die man unter Umständen töten durfte (Vers 42). Der Rat, den er zu Beginn der Reise erteilte, war so wichtig, dass, wäre er ausgeführt worden, das Unglück sie nicht erreicht hätte. Wer so in Lebensgemeinschaft mit Gott steht wie Paulus, wird den Ausgang einer Sache weislich beurteilen können.
Jedes Schiff dient seinem bestimmten Zweck. Ob Handels‑, Passagier‑ oder Kriegsschiff, der Zweck ist: Menschen und Güter von einem Hafen zum andern zu führen. Auch wir werden vom Hafen „Diesseits“ zum Hafen „Jenseits“ getragen. Dabei hängt sehr viel davon ab, welchem Schiff wir uns anvertrauen, ob es geraden Kurs auf das Ziel nimmt, oder gar in entgegengesetzter Richtung steuert.
Dann führt jedes Schiff irgend eine Ladung mit sich. Jenes, auf welchem Paulus fuhr, war mit kostbarem Getreide beladen. Auch dein und mein Schiff führt eine Fracht mit sich. Der eine ist beladen mit gutem Willen und ebenso guten Werken, der andere mit sittsamem, ehrbarem Wandel, ein anderer mit Not, Mühsal und Verzagtheit, wieder ein anderer mit Betrug, Sünde, Laster und Aberglauben. Und wie mancher hat schon versucht, die Last über Bord zu werfen, als das Schiff in Not geriet und die Wellen immer bedrohlicher wurden. Hat es den Matrosen etwas abgetragen, die Last ins Meer zu versenken, um das Schiff zu erleichtern? (Vers 38.) Hat es sie vor dem Schiffbruch gerettet? Nein! Es war nutzloses Abmühen. So ist es mit dem Sündenbeladenen. Fracht abladen schützt weder das Schiff noch beruhigt es das Meer. Kurs und Kapitän müssen geändert werden. Soll das Schiff sicher segeln, muss der Herr Jesus der Steuermann werden. Er versenkt die schwere Sündenlast ins Meer, wo es am tiefsten ist und befrachtet das Schiff mit Freude, Frieden und Gewissheit des Heils. Er befiehlt den Stürmen zu schweigen und schenkt Ruhe. Rettung ist allein bei Ihm.
Jedes Schiff hat seinen Kapitän. Der Kapitän muss zuverlässig sein. Einem, der schon einige Schiffe verloren hat, vertraut sich kaum jemand an. Jedem steht die Wahl seines Kapitäns frei. Der eine Kapitän heißt Jesus Christus, der andere Satan. Ersterer führt zur Seligkeit, letzterer ins Verderben. Welchem von beiden hast du dich anvertraut?
Jedes Schiff hat seine Flagge. Mit aufgezogener Flagge durchkreuzt es das Meer. Von ferne erkennt man seine nationale Zugehörigkeit. Doch kommt es auch vor, dass Schiffe unter falscher Flagge segeln. Dann ist die Fahrt allerdings nicht geheuer! Täuschungs ‑ Manöver, Irreführung, Betrug, Heuchelei, Falschheit und Tarnung könnten ihm schließlich zum Verhängnis werden. Es sehe nun jeder zu, dass er nicht in ein solches Schiff einsteige, sich nicht durch fromme Reden (wie durch eine ausgehängte falsche Flagge) etwas vortäuschen lasse. Es halte sich vielmehr jeder an das untrügliche Wort Gottes. Leser, unter welcher Flagge segelst du? Muss man dir zum Umsteigen raten? Das Schiff mit Jesu Kreuzpanier will dich zum sichern Hafen bringen.
Jedes Schiff hat Ausweispapiere. Ohne diese geht es überhaupt nicht. Bis ins kleinste wird alles notiert. Mannschaft, Nationalität, Ladung, Ausgangshafen und Ziel, Route und Anlaufhäfen, Alter, Wasserverdrängung, Gewicht und Bauart des Schiffes u. a. m. werden genau festgelegt. Datum, Stempel und Unterschrift der Reederei, der Versicherung und der Admiralität bescheinigen die Richtigkeit der Angaben und erteilen die Erlaubnis zur Fahrt.
Auch über unser Lebensschiff wird Kontrolle geführt. Unsere Wege, Worte, Werke und Gedanken sind genau überwacht und in ein Buch eingetragen; ins Buch des Lebens (Phil 4,3; Off 3,5; 20,12-15). Unser Ausweis trägt das Datum: «vor Grundlegung der Welt, ist gestempelt mit dem „vollgültigen Opfer auf Golgatha“ und unterschrieben mit dem sündentilgenden Blute Jesu Christi. Fahrt und Ziel sind sichergestellt.
Jedes Schiff hat seinen Kompass. Dieser ist äußerst wichtig, ja unentbehrlich. Ohne ihn würde das Schiff richtungslos umhertreiben und nie das Ziel erreichen. Was für das Schiff der Kompass ist, ist für uns das Wort Gottes. Wer ohne Kompass segelt, verliert sich und gerät in schlimme Not (Ps 119,105). Alle, die gut ans Ziel kamen, reisten mit diesem Kompass; die andern aber strandeten. Blanche nehmen diesen sicheren Wegweiser nur der Form nach mit, lassen ihn aber unbeachtet im Reisekoffer. Reisen wir mit dem lebendigen Wort? Wenn ja, so übermannt uns kein Übel; wir werden Gelingen haben auf unserer Lebensreise (Jos 1,8).
Jedes Schiff hat drahtlose Telegraphie. Schiffe geraten ab und zu in Seenot. Günstiger Wind wird zum verhängnisvollen Sturm, so dass sich selbst die wetterfestesten Matrosen fürchten (Vers 30). Oder dem Schiff droht die Gefahr, an einer Klippe zu scheitern. Hier setzt der drahtlose Hilferuf ein, Schiffe eilen herbei und retten die Gefährdeten vielfach noch in letzter Stunde vor dem sicheren Untergang. Leser, wie ist es, wenn sich gegen dein Schifflein Woge auf Woge türmt? Funktioniert dann deine drahtlose Telegraphie? Sendest du Hilferufe nach oben? Bloßes, gewohnheitsmäßiges Formengebet bewährt sich nicht im Sturm, du musst ein geübter Beter sein. Die Schrift redet von ernsten Betern, die Wunder erlebten.
Jedes Schiff hat einen Anker. Dieser wichtige Gegenstand ist nicht zu unterschätzen. Er verbindet das haltlose Schiff mit dem Meeresgrund, damit es nicht der Willkür der Wellen preisgegeben sei. Und was der Anker dem Schiff ist, das ist der lebendige Glaube auf unserer Lebensfahrt. Die Schrift redet von einem sicheren und festen Anker der Seele (Heb 6,19): und ohne Glauben ist es unmöglich Gott zu gefallen (Heb 11,6). Auch kann niemand ohne Glauben gerettet werden (Apg 16,31).
Jedes Schiff ist versichert. Geht das Schiff unter, so wird von der Versicherungsgesellschaft Schadenersatz geleistet. Die Heilige Schrift bietet die vorteilhaftesten Bedingungen:
Sie verheißt ewiges Leben (Joh 3,36).
Sie bewahrt vor dem Feuer (Mt 25,34-41).
Sie bürgt für alle Bedürfnisse (Phil 4,19).
Sie zahlt den Versicherten aus (Lk 19,17).
Die Prämie ist umsonst (Röm 6,23).
Alle können sich versichern (Joh 3,16); deshalb versichere dich noch heute.
Jedes Schiff führt verschiedene Mitreisende. Das Schiff in unserm Text hatte zweihundert und sechsundsiebzig Seelen an Bord. Matrosen, Soldaten, Kaufleute, Gelehrte wie Dr. Lukas und Gotteskinder wie Paulus und seine Begleiter. Letztere bekannten den Herrn mit Fleiß und in Treue, und vermittelten den andern dadurch einen sehr großen Segen. Gehörst du zu diesen, oder zu jenen, die nur den irdischen Interessen leben? ‑
Jedes Schiff macht einst seine letzte Fahrt. Dies war bei dem Schiff, mit welchem Paulus segelte, der Fall. Die letzte Fahrt ist meistens die entscheidende. Jene letzte Fahrt schien einen günstigen Verlauf zu nehmen, es wehte nämlich ein sanfter Südwind; dennoch war sie äußerst mühsam. Die verheerende Gefahr tritt nicht selten plötzlich und überraschend auf. Dann nützen weder Vorkehrungen noch Anstrengungen mehr etwas. Mitreisender, bist du für die letzte Fahrt bereit? Wo wirst du die Ewigkeit zubringen?
Vielleicht bist du dem ewigen Ziel weit näher, als du nur ahnst. So schicke dich an, und begegne deinem Gott so lange noch Gnadenzeit ist. (Aus „Ährenlese“.)